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„Ich hasse dich – verlass mich nicht!“ Dieser Satz steht häufig in Verbindung mit den Begriffen „Borderlinerin“ oder „Borderliner“.

Die offizielle Bezeichnung in der ICD-10 (Internationale Klassifikation von Erkrankungen) lautet emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typus. Damit wird die Persönlichkeitsausprägung von Menschen beschrieben, die in sehr starken Polaritäten leben. Dies ist entwicklungsgeschichtlich begründet und hängt häufig mit erlittenen Bindungsproblematiken in der frühen Kindheit, Vernachlässigung oder erlittenen Traumata zusammen. Diese Anpassungsleistung des betroffenen Menschen kann im weiteren Leben zu mehr oder weniger großen Schwierigkeiten führen, sich auf Beziehungen in einer angemessenen Weise einzulassen.

 

Betroffene schwanken immer wieder zwischen einer großen Sehnsucht nach Nähe bis hin zur Verschmelzung und einer Angst davor mit begleitenden Wegstoß- oder Fluchtimpulsen. Die Folge sind heftige Spannungen und Emotionen, die nicht selten zu selbst-, gelegentlich auch fremdschädigendem Verhalten führen. Die Spannungszustände kommen dabei oft so rasch, dass sich dies in impulsiven Handlungen niederschlägt, die den Betroffenen wenig später oft wieder leidtun. Selbstverletzungen können vorkommen und werden meist als entlastend und spannungsreduzierend empfunden, besonders, wenn Betroffene sich selbst zuvor gar nicht mehr spüren konnten. Durch diesen Folgeeffekt können die Selbstverletzungen zu einem wiederkehrenden Handeln werden. Zum selbstschädigenden Verhalten können auch Rauschmittelkonsum und -missbrauch oder andere riskante Verhaltensweisen gehören. Zwischenmenschliche Beziehungen sind oft ein besonders heikles Feld für die Betroffenen. Ein rasches und intensives Zusammenkommen wechselt sich mit heftigen Konflikten, Enttäuschungen und Beziehungsabbrüchen ab, was sich immer wieder wiederholen kann. Die Gefahr einer sich fortlaufend verschlimmernden Endlosschleife ist dabei durchaus gegeben, was zu erheblichen Beziehungsschäden führen kann. Depressive Störungen, schwere Ängste, Suchtentwicklungen oder auch Essstörungen können zusätzliche Folgen sein.

 

Spätestens wenn der eigene Leidensdruck und/oder die Belastung des jeweiligen Umfeldes zu hoch werden, sollte professionelle therapeutische Hilfe aufgesucht werden. Die Behandlung sollte dann langfristig angelegt und spezifisch ausgerichtet sein. Nach einer ersten Stabilisierung und dem Erhalt oder der Wiederherstellung eines ausreichenden Funktionsniveaus im Hier und Jetzt, kann die Bearbeitung der im Hintergrund liegenden und wirkenden Bindungs- und Selbstwertproblematiken sowie Verletzungs- und Enttäuschungserlebnisse mehr in den Fokus der Behandlung rücken. Häufig braucht es auch eine stationäre oder tagesklinische Behandlung in einem intensivierten und multimodalen Therapiesetting, wie es in der Psychosomatischen Fachabteilung der Steigerwaldklinik angeboten wird. Im Laufe der oft mehrjährigen Gesamtbehandlung der Betroffenen können auch wiederkehrend zeitlich begrenzte, stationäre Therapieabschnitte notwendig werden.