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Jeder Mensch hat gute Gründe, so zu sein, wie er ist. Das ist erst einmal anzuerkennen! In der Entwicklung der Persönlichkeit passt der Mensch sich den Erfordernissen und Umständen seines Lebens immer bestmöglich an. Dies gilt besonders in den ersten Lebensjahren, in denen er existenziell auf Bezugspersonen angewiesen ist. Es ist überlebenswichtig für jedes heranwachsende Kind, sich so gut wie irgendwie möglich in die Lebensumstände, in die es hineingeboren wird, einzufügen. Dies stellt eine sehr große Entwicklungsleistung dar.

Leider gibt es aus den verschiedensten Gründen Umstände und Beziehungskonstellationen, in denen es ein Zuwenig oder Zuviel von dem gibt, was ein heranwachsender Mensch für eine gesunde und angemessene Entwicklung braucht. Der Mensch wird sich auch in solch einem Fall den vorliegenden Umständen und prägenden Beziehungen bestmöglich anpassen, wobei sich bei einer anhaltend  schwierigen, mangelhaften oder sehr einseitigen Situation die optimale Anpassung daran meist leider auch als schwierig, mangelhaft oder sehr einseitig herausstellt, sobald diese Menschen später auf veränderte Umstände und andere Beziehungskonstellationen treffen. Derart prägende Anpassungsvorgänge kann es auch in späteren Lebensphasen als der frühen Kindheit geben, wenn der Mensch über einen langen Zeitraum sehr starken, vergleichbar unausweichlichen Einflüssen ausgesetzt ist.

 

Frühere, prägende Erfahrungen im Leben beeinflussen den Menschen auch später weiterhin in seinem instinktiven Verhalten, seinen Beziehungen, seinem grundsätzlichen Umgang mit sich selbst, der eigenen Umwelt und natürlich seinen Mitmenschen gegenüber. Es entstehen gewissermaßen Muster in Denken, Fühlen, Erleben und Verhalten, recht feste Einstellungen und Erwartungen, Sehnsüchte und Befürchtungen, die in ihrer aus erlebter Notwendigkeit heraus oft einseitig festgelegten Form oft zu wiederkehrenden, zunehmenden Konflikten mit dem Umfeld führen, sich zuspitzen und bei den Betroffenen selbst und/oder ihren Mitmenschen zunehmend Leid verursachen und krank machen können. Betroffene fühlen sich häufig nicht zu einer Veränderung im Stande oder sehen keine Veränderungsnotwendigkeit. Darin liegt oft auch die Tragik dieser Muster. Dem Menschen selbst sind sie oft nicht bewusst und erscheinen zunächst meist kaum veränderbar. Sie führen den Betroffenen aber immer tiefer ins Leid und häufig immer weiter weg vom eigentlichen Ziel der Wünsche und Sehnsüchte. Nicht selten verursacht dies auch zusätzliche Probleme und Erkrankungen, wie z. B. depressive Störungen, Angsterkrankungen, Suchtentwicklungen u.v.a.m.

 

Je nach Lebensumständen, Temperament und vorliegenden Erfahrungsmustern kommen sehr unterschiedliche Prägungen vor, die sehr unterschiedliche Störungsbilder hervorrufen können: ängstliche, depressive, unsichere, zwanghafte, zurückgezogene, misstrauische, impulsive, theatralische, selbstgenügsame, selbstaufopfernde, narzisstische, emotional instabile und viele mehr…

Allen gemeinsam ist jedoch die Schwierigkeit, vom eigenen „Muster“ abzuweichen, weil dies im Inneren des betroffenen Menschen tief verankert liegt und für das Überleben notwendig war und bis heute weiterhin erscheint.

 

Es ist eine meist schwierige und längerfristig anzulegende Aufgabe einer dafür sensiblen und angemessen ausgerichteten Psychotherapie, diese „Muster“ gemeinsam mit den Betroffenen zu erkennen, verstehen, anzunehmen und dann behutsam Schritt für Schritt an Veränderungen zu arbeiten. Eine vertrauensvolle, verlässliche und professionelle therapeutische Beziehung ist dabei unerlässlich, denn eine Bearbeitung und Veränderung der tief sitzendenden Erfahrungen und der sich daraus ergebenden „Muster“, die das bisherige Leben der Betroffenen meist schon lange Zeit intensiv bestimmt haben, braucht viel Offenheit, Vertrauen und Geduld für den gemeinsamen therapeutischen Prozess. Es sollte ein Erfahrungs- und Erlebensraum entstehen, in dem eine Art Nachreifung der betroffenen Persönlichkeitszüge geschehen kann und so tragfähige Veränderungen im Erleben und Verhalten möglich werden. Die Persönlichkeit der Betroffenen soll in diesem Sinne auf der Basis der vorhandenen Lebensleistung mehr Freiheitsgrade erreichen, wodurch befriedigendere und erfülltere Beziehungen zu sich und anderen ermöglicht werden können. So besteht die Möglichkeit, bisheriges Leid zu verarbeiten, zukünftige Not zu mindern und mehr Lebensqualität zu erreichen.

 

In diesem Zusammenhang bietet die in der Psychosomatischen Fachabteilung der Steigerwaldklinik angebotene professionelle stationäre und tagesklinische Behandlung, in der mit den Patient*innen sehr beziehungsfokussiert gearbeitet wird, einen angemessenen Start und/oder eine intensive Etappe auf diesem längerfristig anzulegenden psychotherapeutischen Weg.