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Jeder Mensch kennt das Gefühl der Angst. Grundsätzlich gibt eine gesunde Funktion von Ängsten, die den Menschen vor etwas bewahren oder zurückhalten wollen, was schaden oder zu viel werden könnte. Es gibt aber auch Ängste, die sich verselbstständigen, sich von dieser gesunden Funktion ablösen und Betroffenen sogar schaden können, indem diese sie zunehmend einengen, eventuell sogar lähmen oder regelmäßig als heftige Panikattacken auftreten. Man spricht ab einer bestimmten Schwere und Belastung von Angsterkrankungen, die in der Bevölkerung relativ häufig vorkommen und auch eine hohe Dunkelziffer aufweisen. Manchmal sind Ängste, die krank machen können, auf bestimmte Objekte (wie z. B. Spinnen, Hunde oder spitze Gegenstände) oder bestimmte Situationen (wie z. B. Aufenthalt in Höhe, in geschlossenen Räumen oder auf überfüllten Plätzen ohne Fluchtmöglichkeit, soziale Situationen) bezogen. Teils ist für die auftretenden Ängste aber auch kein klarer Auslöser erkennbar.

 

Die Ängste sind meist mit bestimmten Gedanken und körperlichen (sogenannte vegetativen) Reaktionen und Handlungen verbunden, die sich – wie im Kreis laufend – gegenseitig verstärken und zu Flucht- oder Vermeidungsverhalten führen können. Dies mindert die Angst kurzfristig und kann im konkreten Fall auch sinnvoll sein (z. B. um einer realen Gefahr auszuweichen). Im Fall einer  krankhaften Angst führt dies aber auf Dauer meist zu einer Zunahme und Ausweitung der Ängste in immer mehr Lebensbereiche, so dass Betroffene im Extremfall beispielsweise nicht mehr aus dem Haus gehen oder nichts mehr alleine machen können.

 

Hinter den erlittenen Ängsten verbergen sich immer wieder andere Belastungen, die sich aus der Lebensgeschichte, traumatischen Erfahrungen oder anderen körperlichen oder seelischen Erkrankungen herleiten können. Oftmals gesellen sich zu krank machenden Ängsten auch andere Erkrankungen hinzu, wie z. B. depressive Störungen oder Abhängigkeitsentwicklungen (z. B. von Alkohol oder Beruhigungsmitteln).

 

Bei regelmäßigem Auftreten von krankhaft einzustufenden Ängsten und dadurch verursachtem Leiden der Betroffenen ist eine fachspezifische Behandlung erforderlich. Hier stehen im ambulanten Bereich viele Möglichkeiten zur Verfügung. Auch Medikamente können unterstützend hilfreich sein, natürlich nur solche, die angemessen vertragen und nicht zu einer Abhängigkeitsentwicklung führen. Die psychotherapeutische Behandlung zielt auf Art „Rückeroberung des eigenen Lebens“ in Freiheit und Rückführung der Angst auf ein wieder sinnvolles, gesundes Maß. Auch eine stationäre Behandlung kann bei entsprechender Schwere der Symptome angezeigt sein. Hier steht in psychosomatischen Fachabteilungen ein multimodales Gruppentherapieprogramm mit einer Kombination aus einzel- und gruppentherapeutischen sowie pflegerischen Angeboten zur Verfügung. Dies kann eine sehr sinn- und wertvolle Etappe auf dem Weg der Genesung sein, gerade dann, wenn sich die Symptomatik krisenhaft zuspitzt und/oder wenn es gilt, die Hintergründe und Entstehungsgeschichte der Ängste in einem geschützteren, ruhigen Rahmen zu erarbeiten und angemessen anzugehen.