Seite auswählen

Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) können Menschen entwickeln, nachdem sie mit einem sehr belastenden traumatischen Ereignis konfrontiert waren. Solche Erfahrungen können Unfälle, Erkrankungen, Gewalterfahrungen oder auch schwere Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen sein.

 

Traumatische Ereignisse sind dadurch charakterisiert, dass sie eine tiefe seelische Erschütterung und eine Überforderung vorhandener Bewältigungsmöglichkeiten verursachen. Die Folgen dieses Erlebens zeigen sich sowohl seelisch als auch körperlich. Wer eine lebensbedrohliche Situation erlebt hat, ist meist in einer Art „Ausnahmezustand”. Betroffene können dadurch stark aufgewühlt sein oder sich  völlig betäubt fühlen. Das sind zunächst normale Bewältigungsversuche, man spricht von einer akuten Belastungsreaktion. Wenn keine Bewältigung möglich ist, spricht man – frühestens vier Wochen nach dem Ereignis – von einer Posttraumatischen Belastungsstörung. In manchen Fällen zeigen Betroffene nach einem traumatischen Ereignis zunächst keine oder nur vereinzelte Beschwerden. Die Symptome der PTBS treten dann – oft in Zusammenhang mit neuen Belastungen, Stress oder einschneidenden Lebensveränderungen – erst Monate oder Jahre nach dem Ereignis auf.

 

Eine Posttraumatische Belastungsstörung zeigt sich in einem typischen Muster von drei Symptombereichen. Dazu gehören das Wiedererleben des Traumas in Erinnerungsbruchstücken, die Vermeidung von Reizen, die an das Trauma erinnern und eine anhaltende Übererregung. Die Grundstimmung der Betroffenen ist oft gedrückt. Betroffene können von Angst und erhöhter Reizbarkeit, aber auch von emotionaler Taubheit oder Schuld- und Schamgefühlen gequält sein. Die PTBS geht für die Betroffenen meist mit hohen Einbußen ihrer Lebensqualität und ihrer Fähigkeiten, das private und berufliche Leben positiv zu gestalten, einher. Das bedeutet, dass Betroffene Schwierigkeiten haben können, ihre Beziehungen und Freundschaften aufrechtzuerhalten oder neue Kontakte zu knüpfen. Oft fällt es schwer, den Alltag angemessen zu bewältigen. Manche Betroffene können sich nur noch mit Mühe angemessen um ihre Kinder kümmern, fühlen sich durchgängig angespannt und gereizt oder leiden unter plötzlichen Wutausbrüchen. Alltägliche, schulische oder berufliche Aufgaben können für Betroffene zu einer schweren Last werden.

Wichtig für die Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen sind ein frühzeitiges Erkennen der Problematik und eine rasch einsetzende, störungsspezifische Psychotherapie. Sind ambulante Behandlungsangebote nicht möglich oder nicht ausreichend, kann es sinnvoll sein, schon früh nach einem traumatischen Ereignis eine stationäre Traumatherapie zu beginnen. Auch wenn es zu Komplikationen und weiteren Symptomen kommt, ist eine stationäre Therapie in Erwägung zu ziehen. Inhaltlich geht es in der therapeutischen Arbeit zunächst um Stabilisierungsarbeit zur Wiederherstellung von Sicherheit und Kontrolle. Eine gezielte Bearbeitung traumatischer Ereignisse (Traumakonfrontation, z. B. mittels des speziellen Behandlungsverfahrens EMDR) kann dann die Belastung durch traumabezogene, intrusive Erinnerungen und Flashbacks häufig deutlich reduzieren, neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen und eine Integration der traumatischen Erfahrung ermöglichen.